Drei Jugendliche vor Mauer machen sich für ihre berufliche Zukunft bereit.

Im persönlichen Gespräch glänzen.

Deine Bewerbung war erfolgreich und Du wirst zum Vorstellungstermin eingeladen? Dann hast Du die erste Hürde zu Deinem Ausbildungsplatz bereits genommen und es in die zweite Runde geschafft! Das persönliche Bewerbungsgespräch, ob vor Ort oder online, ist für viele Jugendliche eine neue Herausforderung und dementsprechend groß ist die Anspannung. Du kommst in eine völlig neue und fremde Situation, die Du ganz alleine meistern musst. Auch für erfahrene Erwachsene ist ein Vorstellungstermin eine aufregende Angelegenheit, da in dieser kurzen Zeit die Grundlage für eine sehr wichtige Entscheidung gelegt wird.

Mit Gefühl den Termin meistern
Es ist völlig normal, aufgeregt oder nervös zu sein. Im Gegenteil, wer total entspannt zu seinem Vorstellungsgespräch erscheint, erweckt eher einen seltsamen Eindruck. Denke immer daran, dass Du vom Unternehmen eingeladen wurdest und dass Deine Gastgeber, also die Personalverantwortlichen und Ausbilder*innen, Dich als eventuellen zukünftigen Mitarbeiter betrachten. Du kannst Dir sicher sein, dass Du freundlich und höflich empfangen wirst und dass Dir auch kleine Fehler und Unsicherheiten verziehen werden.

Höflichkeit zählt
Wichtig ist, dass Du auf die allgemeinen Höflichkeits- und Anstandsregeln achtest, Dich ausreichend auf den Termin vorbereitest und sonst einfach Du selbst bist. Selbstverständlich musst Du pünktlich zu Deinem Termin erscheinen, am besten rund 10 Minuten früher. Bei Deiner Anreise baust Du am besten einen großzügigen Zeitpuffer ein, um auf Verzögerungen wie Stau, Busverspätung etc. vorbereitet zu sein. Wenn Du viel zu früh ankommen solltest (mehr als 15 Minuten), wartest Du noch ein bisschen in der Gegend oder gehst spazieren. Das hilft auch gegen Nervosität.

Deine Unterlagen
Habe immer einen Block oder ein Notizbuch und einen Kugelschreiber dabei, um wichtige Dinge sofort mitzuschreiben und/oder Tests, Fragebögen etc. auszufüllen. Auch wenn Du vom Unternehmen sicher Utensilien zur Verfügung gestellt bekommst, machst Du einen guten Eindruck, wenn Du auf alles vorbereitet bist. Nimm auch das Einladungsschreiben bzw. die ausgedruckte Einladungs-E-Mail des Unternehmens mit. Lege alle Deine Bewerbungsunterlagen (Anschreiben, Lebenslauf, Zeugnisse, Praktikumsbescheinigung etc.) in Deine Tasche, auch wenn Du sie schon geschickt hast, um auf eventuelle Nachfragen sofort reagieren zu können. Falls Dir ein Personalfragebogen zugeschickt wurde, bringst Du ihn ausgefüllt zum Vorstellungstermin mit. Wichtige Fragen zum Unternehmen und/oder zur Ausbildung notierst Du Dir auf einem Zettel oder Block.

Das Vorstellungsgespräch – Tipps für einen guten ersten Eindruck

So bereitest Du Dich vor

Ein Vorstellungsgespräch findet in Form einer Gesprächsrunde mit Deinen zukünftigen Vorgesetzten statt. Meistens sind ein*e Unternehmens- oder Betriebschef*in, ein*e Personalverantwortliche*r und ein*e Ausbilder*in anwesend. Es findet meistens in einem geräumigen Arbeitszimmer statt. Oft wird Dir auch ein Getränk angeboten oder der Gesprächstisch ist eingedeckt. Wähle am besten ein Glas Wasser, dann bekommst Du beim Sprechen keinen trockenen Mund. Beim Trinken hast Du auch die Möglichkeit, kleine Sprechpausen zum Nachdenken einzulegen. 

Informiere Dich ausführlich über das Unternehmen, das Dich eingeladen hat. Auf der Firmenwebsite im Internet bekommst Du noch einmal einen genauen Einblick. Überlege Dir, welche Fragen Du stellen willst, und sei nicht schüchtern, diese auch im Gespräch anzuwenden. So zeigst Du echtes Interesse und beeindruckst Deine zukünftigen Vorgesetzten. Bevor es losgeht, übe am besten ein Vorstellungsgespräch mit Deinen Freunden oder Eltern. Du kannst auch vor dem Spiegel oder mit Deiner Smartphone-Kamera an Deinem Ausdruck und Deiner Körpersprache feilen. Solche Rollenspiele kosten ein bisschen Überwindung, helfen aber sehr gut gegen Unsicherheit und Lampenfieber.

So erscheinst Du zum Termin

Zu Deinem Vorstellungsgespräch erscheinst Du pünktlich in sauberer und zum angebotenen Ausbildungsplatz passender Kleidung. Das heißt, ein gebügeltes Hemd oder eine Bluse in dezenten Farben und Mustern ist fast immer Pflicht. Falls Du Piercings trägst, überlege, ob Du sie zum Vorstellungsgespräch nicht lieber herausnimmst. 

So verhältst Du Dich richtig

Dass Du während des Vorstellungsgesprächs höflich, interessiert und aufmerksam bist, versteht sich von selbst. Damit aber garantiert nichts schiefgeht, findest Du hier noch einmal die wichtigsten „Benimmregeln“ auf einen Blick:

1. Lächle bei der Begrüßung. Das wirkt sympathisch und hilft über die erste Unsicherheit hinweg.
2. Gib Deiner/Deinem Gesprächspartner*in bei der Begrüßung unbedingt die Hand und siehe ihr/ihm in die Augen.
3. Versuche, Ruhe zu bewahren und möglichst zwanglos zu sprechen.
4. Merke Dir die Namen Deiner Gesprächspartner*innen und sieze sie. Du kannst Dir die Namen auch schnell und dezent notieren.
5. Versuche, mit Deiner/Deinem Gesprächspartner*in Blickkontakt zu halten.
6. Sprich laut, klar und deutlich und nicht zu schnell. Lege lieber nach den Sätzen kleine Pausen ein.
7. Lasse Dein Gegenüber immer ausreden und falle niemandem ins Wort.
8. Versuche, die Arme und Beine nicht zu verschränken, sondern offen und interessiert zu wirken.
9. Frage sofort nach, wenn Du etwas nicht verstehst. Das wirkt nicht dumm, sondern engagiert.
10. Gib im Zweifelsfall lieber offen zu, eine Frage nicht beantworten zu können, als um den heißen Brei herumzureden.
11. Mache während des Vorstellungsgesprächs unbedingt Dein Handy aus und lasse es in Deiner Tasche.

Das Videointerview – Bewerbungsgespräch mit Video

Das ist ein Videointerview

Ein Videointerview wird manchmal auch als Online-Vorstellungsgespräch oder Video-Bewerbungsgespräch bezeichnet. Bei allen dreien handelt es sich aber um das Gleiche: ein Bewerbungsgespräch, das nicht im Unternehmen, sondern über einen Online-Videoanruf stattfindet.

Dabei hat das Videointerview einige Vorteile, die Dir in die Karten spielen: Die Anreise fällt weg, es findet in der eigenen vertrauten Umgebung statt und das Gespräch kann überall dort durchgeführt werden, wo Du Internet hast. Beste Voraussetzungen also, damit Du es gut meistern kannst.

So bereitest Du Dich vor

Auf ein Videointerview bereitest Du Dich grundsätzlich genauso wie auf ein Bewerbungsgespräch vor Ort oder per Telefon vor. Einen entscheidenden Unterschied gibt es aber: die Technik. Und die sollte unbedingt funktionieren. Wichtig ist hier vor allem eine stabile Internetverbindung. Außerdem benötigst Du die technischen Voraussetzungen, um das Video-Bewerbungsgespräch ideal umsetzen und dabei glänzen zu können. Im Folgenden findest Du viele wertvolle Tipps:

Die Technik

  • Kamera: Achte auf eine gute Bildqualität. Dabei ist es egal, ob Du eine externe Webcam oder eine integrierte Kamera an Deinem Laptop hast. Eine gute Auflösung ist Pflicht.
  • Ton: Um eine gute Klangqualität zu garantieren, verwendest Du am besten ein Headset oder Kopfhörer. So kann man Dich bestens verstehen.
  • Licht: Achte darauf, dass Du gut ausgeleuchtet bist. Schließlich will Dein Gegenüber Dich sehen. Das Licht sollte von vorn kommen, Dich dabei aber nicht blenden.

Der Hintergrund und Kameraausschnitt
Was zählt, bist Du – deswegen solltest Du auch den größten Teil des Bildausschnittes mit Deinem Gesicht und Deinem Oberkörper einnehmen. Doch das, was um Dich herum zu sehen ist, sollte auch stimmen: Achte auf Deinen Hintergrund und entferne, wenn nötig, persönliche Fotos, Plakate oder sonstige Störungen. Am besten ist Deine Kamera auf Augenhöhe. Sollte das nicht funktionieren, positioniere Deinen Laptop zum Beispiel einfach auf einem dicken und breiten Buch. Setze Dich außerdem nicht direkt vors Fenster. Das Licht blendet, wodurch die Gesprächspartner Dich womöglich nicht so gut erkennen können.

Dein Profil
Denk daran, dass Dein Gegenüber Deinen Profilnamen und Usernamen sehen kann. Solltest Du bereits ein privates Profil eines Programms besitzen, richtest Du Dir zur Sicherheit ein zweites, berufliches Profil ein. Hier gibst Du Deinen vollständigen Namen an und verwendest Dein Bewerbungsfoto.

Wie Dein Bewerbungsfoto den besten Eindruck vermittelt, erfährst Du hier:

Tipps zum Bewerbungsfoto

Die Informationen
Wie bei jedem Bewerbungsgespräch solltest Du Dich über das Unternehmen, die Branche, Deine Ansprechpartner und Deine Stelle gründlich informieren. Dabei können Dir die Unternehmens-Website, Job-Portale, aber auch Zeitungsartikel und das Wissen Deiner Familie und Deiner Freunde helfen.  

Die Selbstpräsentation
In jedem Bewerbungsgespräch stellst Du Dich mit einer kurzen Selbstpräsentation vor – so auch im Videointerview. Hier kommt es auf die wichtigsten Punkte in Deinem Werdegang bzw. Lebenslauf, Deine Stärken und Deine Ziele an.

Die typischen Fragen
Es gibt Fragen, die sehr häufig in einem Bewerbungsgespräch gestellt werden – ganz unabhängig davon, um welche Gesprächsform es sich handelt. Bereite die Antworten vor, sodass Du im Vorstellungstermin nicht ins Stolpern gerätst:

  • Was weißt Du schon über unser Unternehmen?
  • Warum möchtest Du genau diesen Beruf erlernen?
  • Was hat Dir an Deinem Praktikum „XY“ am besten gefallen?
  • Was sind Deine Stärken?
  • Wie ist Dein bisheriger Werdegang?

Das Training
Es ist noch kein Bewerbungs-Meister vom Himmel gefallen – deswegen solltest Du das gesamte Videointerview üben und öfter mit jemand Erfahrenerem durchspielen. Von der Technik über das Licht, den Ton und die Selbstpräsentation bis hin zu typischen Fragen: Je mehr Übung Du in einem Videointerview hast, desto sicherer bist Du und kannst im eigentlichen Termin vollends überzeugen.

So läuft ein Videointerview ab

Auch der Ablauf eines Videointerviews unterscheidet sich nicht viel von dem eines Telefoninterviews oder Bewerbungsgesprächs vor Ort:

Start mit Smalltalk
Um die Stimmung zu lockern, gibt es am Anfang etwas Smalltalk. Wenn Du hier schon punkten kannst, kann Dir das einen Wettbewerbsvorteil einbringen. Versichere Dich hierbei auch, ob technisch alles funktioniert, man Dich gut sehen und hören kann.

Hauptteil mit Vorstellung Deines Werdegangs sowie des Unternehmens und des Ausbildungsplatzes 
Nachdem Deine Ansprechperson sich und den Gesprächsablauf vorgestellt hat, geht es mit Dir weiter. Nun folgt Deine kurze Selbstpräsentation. Sollte Dich Dein Gegenüber unterbrechen und Nachfragen stellen, bleibst Du einfach gelassen und beantwortest sie freundlich. Darauf folgt ein Austausch mit Fragen über das Unternehmen und den Grund, warum Du genau diese Ausbildung starten möchtest.

Ende mit Verabschiedung
Haben alle genug über Dich erfahren und konntest Du Deine Fragen klären, folgt die Verabschiedung. Sollten die Ansprechpersonen nicht auf die nächsten Schritte eingehen, kannst Du sie freundlich erfragen. Eine finale Entscheidung wird meistens nicht direkt im Gespräch getroffen. Das heißt nichts Negatives – die Teilnehmenden beraten sich nochmal und auch Du hast Zeit, Dir Gedanken zu machen, ob Dir das Gespräch gefallen hat und Du immer noch an der Ausbildungsstelle interessiert bist.

Um Dich von anderen Bewerber*innen abzugrenzen, kannst Du Dich am nächsten Tag nochmal per E-Mail bei den Ansprechpersonen melden und Dich für das Gespräch bedanken. Außerdem kannst Du so Deinem Interesse an der Ausbildungsstelle Ausdruck verleihen.

Das sind die Programme

Um Videointerviews durchführen zu können, benötigst Du teilweise ein Programm, welches Du Dir installieren musst. Hier haben wir Dir diejenigen aufgelistet, die am häufigsten verwendet werden.

  • Skype: Den Klassiker unter den Programmen nutzen viele Bewerber*innen auch schon privat. Sollte das auch bei Dir der Fall sein, solltest Du Dein Profil in Sachen Username und Foto nochmal checken.
  • Google Hangout: Um Google Hangout verwenden zu können, musst Du Dir einen Google Account anlegen. Das ist schnell gemacht. Du erhältst dann einen Einladungslink zu dem Gespräch und kannst einfach teilnehmen.
  • WhatsApp: Auch der Messenger-Dienst überzeugt mit einer Videocall-Funktion. Sie ist einfach und praktisch. Da man während des Calls das Smartphone in der Hand hält, eignet sich die Funktion nicht ganz so gut und wird eher als Notlösung gesehen.
  • Spezialsoftware: In größeren Unternehmen werden häufiger Videocalls durchgeführt. Aus diesem Grund verwenden viele eine Spezialsoftware. Du brauchst aber keine Panik zu haben: In einer E-Mail erhältst Du eine ausführliche Anleitung, wie Du ganz einfach an dem Videointerview teilnehmen kannst.

Sobald Du die Einladung mit einem Link erhalten hast, kannst Du diesen direkt testen. So kann beim eigentlichen Termin nichts mehr schiefgehen.

Darauf solltest Du während des Videointerviews achten

Denk daran, dass die Gesprächsbeteiligten Dich die ganze Zeit sehen können. Setz Dich deswegen aufrecht an einen Tisch, zum Beispiel Deinen Schreibtisch.

Wichtig ist, dass Deine Mimik Ausdruck Deines Interesses ist. Deswegen solltest Du lächeln – das macht Dich freundlich und sympathisch.

Natürlich kannst Du während des Bewerbungsgesprächs per Video Deine Gestik einsetzen. Wichtig ist nur, dass Du es nicht übertreibst. Lege die Hände am besten auf den Tisch vor Dich – so sind sie aufgeräumt und Du kannst Dich auf das Interview konzentrieren. Einzelne Aussagen kannst Du gern mit einer Geste unterstreichen.

Und hier noch ein letzter Tipp: Lege Deine ausgedruckten Bewerbungsunterlagen und vor allem die Stellenausschreibung vor Dich. Solltest Du mal nicht weiterwissen, kannst Du kurz spicken. Du wirst sehen, allein das Wissen, dass sie direkt in Deiner Nähe sind, wird Dich beruhigen.

10 Dos und 5 Don’ts

Mit den folgenden Tipps und No-Gos bist Du bestens aufgestellt. So kann das Videointerview kommen!

10 Dos

1. Sammle Informationen über das Unternehmen, Deine Stelle und die Gesprächsbeteiligten.
2. Bereite eine Selbstpräsentation und Antworten zu den typischen Fragen vor.
3. Trainiere das Bewerbungsgespräch.
4. Check die komplette Technik wie Internet, Ton, Licht, Kameraeinstellung und Dein Gesprächsumfeld.
5. Installiere Dir vorab die gängigen Software-Programme.
6. Lege Dir Deine Bewerbungsunterlagen und die Stellenausschreibung bereit.
7. Wähle ein angemessenes Outfit und Styling.
8. Achte auf Deine Mimik und Gestik. Sprich langsam und deutlich.
9. Setz Dich aufrecht mit einem Glas Wasser an einen Tisch.
10. Bleib immer höflich und freundlich – fall Deinem Gegenüber nicht ins Wort.

5 Don’ts

1. Schlechte Internetverbindung haben: Prüfe Deine Internetverbindung, sodass keine Störungen auftreten.
2. Sich in einer lauten Umgebung befinden: Achte darauf, dass Du komplett ungestört bist. Informiere dafür auch Deine Familie sowie Freunde und schalte Dein Smartphone auf lautlos.
3. In einem unaufgeräumten Zimmer sitzen: Sorge dafür, dass alles, was man sieht, aufgeräumt und frei von persönlichen Gegenständen ist.
4. Mikrofon unpassend ausrichten: Trag am besten ein Headset. Das Mikrofon am Kopfhörer sollte aber nicht durch große Ohrringe oder den Hemdkragen gestört werden.
5. Nicht gut sichtbar sein: Positioniere Dich so, dass man Dich gut sehen kann und Du keine unschönen Schatten im Gesicht hast.

Das Telefoninterview – überzeuge durch den Hörer

Arten des Telefoninterviews

Insgesamt gibt es drei Formen des Telefoninterviews:

  • spontanes Telefoninterview
  • geplantes Telefoninterview
  • Skype-Telefoninterview

Das spontane Telefoninterview
Es kann sein, dass sich ein potenzieller Ausbildungsbetrieb ohne Vorankündigung oder Termin bei Dir telefonisch meldet. Das nennt man spontanes Telefoninterview. Dabei wollen Unternehmen herauszufinden, wie Du Dich in einer solchen überraschenden Situation verhältst. Jetzt heißt es Ruhe bewahren. Befindest Du Dich in einer unpassenden Umgebung oder hast schlichtweg keine Zeit, dann scheue Dich nicht, einen alternativen Termin vorzuschlagen. Sollte das nicht der Fall sein, dann stell Dich der Herausforderung. Wichtig ist, dass Du bei einer positiven Rückmeldung auf eine Deiner Bewerbungen immer auf ein spontanes Telefoninterview mit folgenden Fragen vorbereitet bist:

  • Was war der Grund für Deine Bewerbung?
  • Wieso hast Du Dich genau bei diesem Unternehmen für eine Ausbildung oder ein Duales Studium beworben?
  • Was sind Deine Stärken oder auch Schwächen?
  • Welchen Werdegang hast Du bis jetzt zurückgelegt?

Das geplante Telefoninterview
Bei dem geplanten Telefoninterview hast Du mit dem Arbeitgeber vorab einen festen Termin ausgemacht. Meistens passiert das telefonisch oder per E-Mail. Das gibt Dir Zeit, Dich umfassend auf das Gespräch vorzubereiten. Informier Dich über das Unternehmen, übe mit Deiner Familie oder Deinen Freunden und kontrolliere den Ort, an dem Du das Telefoninterview machen möchtest, auf störende Hintergrundgeräusche und guten Empfang. Oberste Priorität hat, dass Du auf jeden Fall zum vereinbarten Termin auch verfügbar und vorbereitet bist.

Das Online-Interview
Auch ein Telefoninterview kann online ablaufen. Zumeist passiert das über Anwendungen wie Skype oder andere Anbieter. Wichtig ist hier, dass Du auf Deine Internetverbindung achtest und vorab einen Check durchgeführt hast. Ist die Verbindung stabil? Hört man Dich einwandfrei? Auch hier gilt es, auf eine ungestörte Umgebung zu achten.

Viele dieser Anwendungen verfügen auch über die Funktion eines Videoanrufs – was Du bei einem Videointerview beachten solltest, haben wir Dir gesondert zusammengestellt.

Erfahre alles zum Videointerview

So bereitest Du Dich vor

Informier Dich
Einer der wichtigsten Punkte ist, wie bei jedem Bewerbungsgespräch, dass Du Informationen über das Unternehmen sammelst. Ein erster Anlaufpunkt ist hier das Internet. Informier Dich auf der Firmenwebsite und filtere Daten wie das Gründungsjahr, die Branche, Leistungen und Schwerpunkte, aber auch Mitarbeiterzahl und Standorte heraus. Hierbei solltest Du auch Deine Ansprechpersonen recherchieren. Nutze dafür zusätzlich Portale wie XING oder LinkedIn. Hierbei handelt es sich um Social-Media-Plattformen, die rein zur beruflichen Vernetzung genutzt werden.

Im nächsten Schritt kannst Du Freunde und Bekannte zu dem Betrieb befragen. Auch aktuelle Nachrichten und Informationen in Zeitungen geben Dir ein gutes Bild Deines Wunsch-Unternehmens.

Lies Dir außerdem auch nochmal die Stellenausschreibung gründlich durch und merke Dir, welche Punkte wichtig waren. So kannst Du Personalverantwortliche von Deinem Interesse und Deinem Engagement überzeugen.

Bereite eine Selbstpräsentation vor
In der Selbstpräsentation stellst Du Dich kurz vor. Dabei geht es auch um Deinen Lebenslauf. Deine Selbstpräsentation muss sich unbedingt mit Deinem Lebenslauf decken. Bleib hierbei am besten bei der Wahrheit und übertreibe es nicht mit Ausschmückungen. Personalverantwortliche merken schnell, wenn sich jemand schönredet. Auch über Deine Stärken und Schwächen solltest Du Dir Gedanken machen. Überlege Dir hier passende Beispiele und zeige, dass und wie Du an Deinen Schwächen arbeiten möchtest. Das ist der richtige Zeitpunkt, um Dir außerdem Fragen aufzuschreiben, die Du Deiner Ansprechperson über das Unternehmen oder die von Dir angestrebte Position stellen möchtest.

Übe das Gespräch
Um sicherer zu werden und während des Gesprächs nicht ins Stottern zu verfallen, solltest Du das Bewerbungsgespräch vorab mit einem Elternteil oder einer anderen erwachsenen Person nachstellen und üben. Dabei kommt es nicht darauf an, dass Du Deine Antworten auswendig lernst, sondern dass Du mit der Situation und dem Ablauf vertraut wirst.

Das solltest Du auch in Sachen Technik machen. Denn nicht nur der Inhalt ist bei einem Vorstellungsgespräch per Telefon wichtig, auch die Rahmenbedingungen. Führe einen Vorab-Technik-Check durch und gehe so sicher, dass das Gespräch ungestört und technisch reibungslos verlaufen kann.

So läuft ein Telefoninterview ab

Der Ablauf eines Telefoninterviews ähnelt stark einem herkömmlichen Vorstellungsgespräch:

Smalltalk: Zu Beginn wird Dein Gegenüber vermutlich ein bisschen Smalltalk mit Dir führen. Ein lockeres Gespräch, um Dir die Aufregung zu nehmen und das Interview einzuleiten. Hier kannst Du eine persönliche Beziehung aufbauen und Pluspunkte sammeln.

Werdegang: Nach dem Smalltalk wird Dir von der Gesprächsperson kurz der Ablauf des Interviews und das Tätigkeitsfeld im Unternehmen beschrieben. Sind noch weitere Personen an dem Gespräch beteiligt, stellen sich diese kurz vor, bevor das Wort an Dich übergeben wird. Das ist Deine Zeit zu glänzen. Überzeuge mit wichtigen Punkten aus Deinem Lebenslauf, Deinen Stärken und der Vorstellung von Deiner beruflichen Zukunft. Es kann sein, dass eine*r der am Gespräch Beteiligten währenddessen Rückfragen stellt, wenn er oder sie etwas nicht verstanden hat – bleib gelassen und beantworte sie freundlich.

Ausbildung und Unternehmen: Im Anschluss wird sich Dein Gegenüber vermutlich dafür interessieren, wie Du auf das Unternehmen gekommen bist und warum Du genau diese Ausbildung machen möchtest. Nutze hier die Chance, Dein vorbereitetes Wissen einfließen zu lassen. Erkläre, warum Du der oder die Richtige für den Job bist und welche Fähigkeiten und Stärken Du mitbringst. Auf folgende Fragen solltest Du vorbereitet sein:

  • Was weißt Du schon über unser Unternehmen?
  • Warum möchtest Du genau diesen Beruf erlernen?
  • Was hat Dir an Deinem Praktikum „XY“ am besten gefallen?
  • Was sind Deine Stärken?
  • Wie ist Dein bisheriger Werdegang?

Verabschiedung: Wenn sich alle Teilnehmenden ein umfassendes Bild von Dir machen konnten, kommt es zur Verabschiedung. Bedank Dich hierbei für die Zeit der Beteiligten und sag außerdem, dass Du Dich freust, von ihnen zu hören. Sollten sie Dir nicht die weiteren Schritte kurz erklären, zum Beispiel Dir sagen, wann Du mit einer Rückmeldung rechnen kannst, kannst Du sie selbst höflich erfragen. Meistens werden in ersten Gesprächen keine endgültigen Entscheidungen getroffen. Das ist nichts Schlechtes, sondern heißt nur, dass Du Dich wieder etwas gedulden musst.

Darauf solltest Du während des Gesprächs achten

Auch wenn Dich Dein Gegenüber nicht sehen kann, solltest Du auf eine optimale Körperhaltung achten. Sie spiegelt sich in Deiner Art zu reden wider. Indem Du Dich aufrecht auf einen Stuhl an einen Tisch setzt, vermeidest Du Störgeräusche, die etwa beim Umherlaufen auftreten könnten. Am besten ziehst Du Dich so an, als würdest Du tatsächlich zu einem persönlichen Bewerbungsgespräch gehen – inklusive Schuhe. Das hilft Dir bei der Konzentration und lässt Dich aufmerksamer sein.

Auch die Mimik und Gestik sind während eines Telefoninterviews wichtig: Lächle währenddessen und sprich deutlich sowie bedacht. Aufgrund der räumlichen Distanz ist die Verlockung groß, am Telefon in eine umgangssprachliche Ausdrucksweise zu verfallen. Stell Dir immer vor, Dein Gegenüber würde direkt vor Dir sitzen. Genauso solltest Du auf Deine Gestik achten: Am Stift oder an der Halskette herumspielen kann für die Gesprächspersonen hörbar sein. Halte Deine Hände ruhig auf dem Tisch und konzentrier Dich auf das Interview.

Halte während des Telefoninterviews Deine ausgedruckten Bewerbungsunterlagen und vor allem die Stellenausschreibung vor Dir bereit. Solltest Du Dich verhaspeln oder zu nervös werden, hast Du alle wichtigen Daten und Fakten vor Dir liegen. Das wird Dich beruhigen.

10 Tipps für Dein Telefoninterview

Auch bei Telefoninterviews kommt die Sicherheit mit der Übung. Du wirst sehen, je öfter Du in eine Vorstellungssituation kommst, desto einfacher wird sie Dir fallen. Achte zunächst aber auf diese Tipps und Du kannst sicher in Dein Telefoninterview gehen:

1. Sei auf spontane Telefoninterviews vorbereitet.
2. Informier Dich über das Unternehmen, Deine Stelle und die Gesprächsbeteiligten.
3. Überleg Dir eine Selbstpräsentation und Antworten zu den typischen Fragen sowie Deine Stärken und Schwächen.
4. Übe das Vorstellungsgespräch.
5. Check die Technik und Dein Gesprächsumfeld.
6. Drucke Dir Deine Bewerbungsunterlagen und die Stellenausschreibung aus und lege sie bereit.
7. Kleide und style Dich so, als würdest Du zu einem Vorstellungsgespräch vor Ort gehen.
8. Achte während des Gesprächs auf Deine Mimik und Gestik. Sprich langsam und deutlich.
9. Setz Dich aufrecht an einen Tisch und stell Dir ein Glas Wasser bereit.
10. Sei höflich, freundlich und lass Dein Gegenüber immer ausreden.

Der Auswahltest – Prüfungssituation zum Abchecken

Bereite Dich gut vor

Auswahltests finden sowohl als Einzeltermin wie auch in kleinen Gruppen statt. In den meisten Fällen bekommst Du bei diesem Termin im Unternehmen einen Testbogen, der Deine Talente und Dein Wissen prüft. Manchmal sind auch kleine Praxisaufgaben dabei. So sehen die Arbeitgeber, ob Du wirklich für den Ausbildungsberuf geeignet bist. Dabei musst Du mit Fragen zum Allgemeinwissen rechnen, aber auch mit Aufgaben, die spezielle Bereiche betreffen. Bewirbst Du Dich für eine kaufmännische Ausbildung, wird wahrscheinlich Dein Rechentalent geprüft. Geht es eher in die handwerkliche Richtung, sind räumliche Vorstellung, Konzentrationsfähigkeit oder logisches Denken gefragt.

Unser Berufsorientierungstest BerufsCheck(me) funktioniert ähnlich wie viele Auswahltests. Damit kannst Du Dich bestens auf Deinen Termin vorbereiten und schon einmal „trainieren“. Auch wenn Du den BerufsCheck(me) schon absolviert hast, kannst Du Dich nochmal durch die Aufgaben klicken. Oder suche im Internet nach entsprechenden Seiten und Beiträgen.

Hier geht es zum BerufsCheck(me)

So verhältst Du Dich beim Test

Dass Du zu Deinem Auswahltest pünktlich erscheinst und Dich höflich und freundlich verhältst, auch eventuellen Mitbewerber*innen gegenüber, ist selbstverständlich. Für alles Weitere haben wir hier einige Tipps für Dich:

  • Erscheine in einem Outfit, das Deinem späteren Beruf entspricht.

  • Mache während des Tests Dein Handy aus.

  • Lies Dir die Aufgabenstellungen genau, konzentriert und vollständig durch.

  • Frage bei Unklarheiten sofort nach.

  • Dir reicht die Zeit nicht? Das ist Absicht und soll Dein Verhalten unter Stress testen – bleibe also ganz entspannt.

  • Beiße Dich nicht an einer schwierigen Aufgabe fest, sondern fange mit den leichteren an. Wenn Du eine oder mehrere Aufgaben nicht schaffst, dann lasse sie weg.

  • Rate nicht wild herum, sondern versuche, jede Aufgabe systematisch zu bearbeiten.

  • Falls Du eine Aufgabe gar nicht bearbeiten kannst, weil Du die Aufgabenstellung nicht verstehst, erkläre dies in einer kurzen Notiz. Das ist besser, als gar nichts hinzuschreiben.

Assessmentcenter – das Auswahlverfahren

Gemeinsam Prüfungen absolvieren

Ein Assessmentcenter ist ein komplexes Auswahl- und Beurteilungsverfahren, mit dessen Hilfe die Personalverantwortlichen im Unternehmen die Eignung der einzelnen Kandidatinnen und Kandidaten einschätzen. Manche Unternehmen nennen das Verfahren auch Auswahlseminar, Auswahlverfahren, Bewerbertag oder Testverfahren. Du kannst es Dir als eine Mischung aus Vorstellungsgespräch und Auswahltest in mehreren, bis zu drei Tage dauernden Runden vorstellen. Dieses Testverfahren wird meistens vom Unternehmen selbst organisiert, manchmal auch mit Unterstützung professioneller externer Berater. Die Beurteilung der Kandidatinnen und Kandidaten kann einzeln oder in Gruppen stattfinden. In den meisten Fällen sind mehrere Bewerber*innen zu einem Termin eingeladen. Mitarbeiter*innen aus der Personalabteilung kümmern sich um den Ablauf und beobachten Dich und Dein Verhalten während des Auswahlverfahrens. Es kommt auch vor, dass sich Unternehmensangehörige als Bewerber*innen in die Gruppe mischen, um sich „getarnt“ ein Bild von Dir und Deinen Mitbewerberinnen und Mitbewerbern zu machen. Ein Assessmentcenter ist immer eine Kombination aus verschiedenen Prüfungen, Tests, Plan- und Rollenspielen sowie Auswahlgesprächen, die Du (bei einem Gruppentermin) mit den anderen Bewerberinnen und Bewerbern zusammen absolvierst. Sei auch auf ungewöhnliche Herausforderungen oder Überraschungen vorbereitet. Egal, was passiert, bleibe immer souverän und vor allem Du selbst. Gerade beim Assessmentcenter kommt sehr schnell heraus, wer sich verstellt. 

Es gibt verschiedene Arten von Assessmentcentern. Manche Unternehmen laden zu einer nur wenige Stunden dauernden Veranstaltung ein, andere möchten ihre Bewerber*innen möglichst intensiv kennenlernen und organisieren ein dreitägiges Assessmentcenter. 

Bei den meisten Assessmentcentern trifft sich die Bewerbergruppe in einem vorbereiteten Raum im Unternehmen. Du wirst begrüßt und nimmst an einer Tischrunde Platz – entweder wird Dir Dein Platz zugewiesen oder Du darfst Dir selbst einen aussuchen. Wenn Du Dir unsicher bist, fragst Du einfach nach. Bevor Du Platz nimmst, grüßt Du – falls Du nicht die/der Erste bist, in die Runde. Zu Terminbeginn werden alle Bewerber*innen aufgerufen, um die Teilnehmerliste abzuhaken. Oft wird zu Beginn ein Teilnehmerbogen zum Ausfüllen ausgehändigt. Und dann geht es los. Auch wenn Du nicht genau weißt, was auf Dich zukommt – ein gewisser Überraschungseffekt ist von den Unternehmen meistens geplant und erwünscht –, solltest Du ganz entspannt bleiben. Den anderen geht es schließlich genauso wie Dir. Warte am besten neugierig und gespannt auf das, was kommt, verstelle Dich nicht und gib Dein Bestes.

Phasen beim Assessmentcenter

Was genau bei einem Assessmentcenter verlangt wird, variiert je nach Unternehmen. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, herauszufinden, welche Bewerber*innen am besten zum Unternehmen und den ausgeschriebenen Ausbildungsplätzen passen. Die meisten Assessmentcenter beinhalten vier Themenmodule bzw. vier Phasen, die Du durchläufst. 

Modul 1: Selbstpräsentation
Die erste Phase des Auswahlverfahrens dient dem Kennenlernen. Du stellst Dich in einem kurzen Vortrag selbst vor. Dazu gehören Dein schulischer Werdegang, Deine Interessen, Deine beruflichen Ziele und natürlich Deine Stärken und Talente. Bei Deiner Selbstpräsentation gehst Du auch gleich auf die Ausbildungsstelle, für die Du Dich bewirbst, und das Ausbildungsunternehmen ein. Erwähne kurz und knapp, warum Du Deine Ausbildung genau hier machen möchtest – so, wie Du es in Deinem Bewerbungs- und/oder Motivationsanschreiben getan hast. Ganz wichtig ist auch, wie Du Dich präsentierst – möglichst selbstbewusst und sympathisch. Achte auf Deine Körpersprache, Deine Haltung, Deine Stimme und bleibe möglichst ruhig und gelassen. Suche auch immer den Blickkontakt zu den anderen Teilnehmer*innen und Beobachter*innen. Beantworte alle Fragen ehrlich und direkt und lasse Dich nicht aus der Ruhe bringen. Manche Fragen sollen absichtlich irritieren. Hier geht es nur darum, wie Du damit umgehst. Lasse Dich nicht verunsichern und traue Dich ruhig nachzufragen, wenn Du etwas nicht verstehst.

Modul 2: Übungen
Mit verschiedenen Tests und Übungen versuchen die Veranstalter des Assessmentcenters herauszufinden, welche Kandidatinnen und Kandidaten für die ausgeschriebenen Ausbildungsplätze am besten geeignet sind. Es können sowohl Tests, die Schulwissen abfragen, als auch Prüfungen, die Fähigkeiten testen, die Du für die Ausbildungsstelle brauchst, stattfinden. Manche Unternehmen bauen auch kleine Praxisübungen ein, wie z. B. die Herstellung eines einfachen Werkstücks. Üblich sind auch Intelligenz- und Konzentrationstests. Ein beliebter Test ist die Postkorbübung, die bei fast allen Assessmentcentern stattfindet. Bei der Postkorbübung wird eine stressige Arbeitssituation nachgestellt. Unter Zeitdruck sollst Du einen vollen E-Mail-Posteingang sinnvoll bearbeiten. Die verschiedenen Eingänge, wie E-Mails, Termine, Notizen, Nachrichten, Checklisten, To-do-Listen etc., sollen strategisch nach Wichtigkeit sortiert werden. Du sollst z. B. entscheiden, was sofort bearbeitet wird, was an einen (imaginären) Kollegen weitergegeben oder später bearbeitet werden kann. Beim Lösen der Aufgabe gibt es kein richtig oder falsch. Du sollst beweisen, dass Du auch in einer extremen Stresssituation Organisationsfähigkeit und Entscheidungsfähigkeit besitzt und einen kühlen Kopf behältst. In einem abschließenden Gespräch musst Du Deine Entscheidungen begründen. Es kommt also nicht (nur) darauf an, die beste Lösung zu finden, sondern zu zeigen, dass man den Mut hat, in kürzester Zeit Entscheidungen zu treffen. Manche Unternehmen wandeln die Postkorbübung auch etwas ab und simulieren eine Stresssituation, die dem realen Arbeitsleben in ihrem Unternehmen besser entspricht. Aber auch hier gilt: ruhig bleiben und mutige, beherzte Entscheidungen treffen. 

Modul 3: Rollenspiele
Beim Rollenspiel geht es nicht um Dein schauspielerisches Talent. In Gruppendiskussionen, nachgestellten Arbeitssituationen oder Fallstudien werden Soft Skills wie Sozialkompetenz, Durchsetzungsvermögen, Teamfähigkeit, Konfliktfähigkeit, Einfühlungsvermögen etc. bewertet. Welche Situation Du nachstellen sollst, hängt natürlich vom Ausbildungsplatz ab, für den Du Dich bewirbst. So kann es z. B. vorkommen, dass Du ein Gespräch mit einem kritischen oder aufgebrachten Kunden durchspielen sollst oder dass Du bei einem fachlichen Streitgespräch zweier Arbeitskollegen dazwischengehen sollst. Es kann auch passieren, dass Du einen konkreten Fall aus dem Unternehmen mit Materialien aus dem Arbeitsalltag lösen sollst – das kann sogar eine praktische Aufgabe sein, die Du alleine oder in Gruppenarbeit anpacken musst. Manchmal sollen die Teilnehmer*innen auch gemeinsam eine Situation lösen, die rein gar nichts mit der Arbeitswelt im Unternehmen zu tun hat. 

Bei der fast immer stattfindenden Gruppendiskussion geht es darum, wie Du Dich in einer Gruppe behauptest, ob Du Deine Meinung selbstbewusst vertrittst, ob Du überhaupt zu Wort kommst und ob Du zuhören kannst und andere aussprechen lässt. Meistens wird ein Thema vorgegeben, zu dem jeder eine andere Ansicht vertreten muss. Bei dieser Übung vergleichst Du Dich direkt mit Deinen Konkurrentinnen und Konkurrenten und wirst auch mit heftigen Emotionen oder Streit konfrontiert. Mache Dir immer bewusst, dass es sich um ein „Spiel“ handelt, und spiele Deine Rolle so überzeugend wie möglich. Mit diesem Trick kannst Du Distanz zur oft hitzigen Situation der Gruppendiskussion aufbauen und verhindern, dass Du die Fassung verlierst oder Dich provozieren lässt. 

4. Modul: Feedback
Nach den ganzen Aufgaben-, Test- und Übungsrunden wirst Du nicht einfach nach Hause geschickt. Du erhältst noch ein Feedback, also eine Rückmeldung, von den Assessmentcenter-Betreuer*innen oder den Ausbildungsverantwortlichen. Das kann zuerst in einem lockeren Gespräch mit der ganzen Gruppe geschehen, bei dem jede*r Teilnehmer*in die Chance hat, sich aktiv zu beteiligen. Fast immer folgt darauf ein abschließendes Einzelinterview, bei dem Du einem oder mehreren Gesprächspartnern gegenübersitzt. Die Situation ähnelt der eines klassischen Vorstellungsgesprächs, mit dem Unterschied, dass Deine Gesprächspartner schon ziemlich viel über Dich wissen. Beim Besprechen der Übungsrunden gilt es, auch kritische Anmerkungen und Beurteilungen möglichst selbstbewusst zu meistern. Verpatzte Prüfungen kannst Du vielleicht im Gespräch noch zurechtrücken, indem Du erklärst, warum Du so gehandelt hast. Auch hier gilt es, Mut zu beweisen. Wenn Dir etwas nicht klar ist oder Du mit einer Beurteilung nicht zufrieden bist, fragst Du einfach nach und sagst Deine ehrliche Meinung – selbstverständlich ohne überheblich oder unhöflich zu sein. Du musst auch damit rechnen, dass Deine Stärken und Schwächen, die während des Assessmentcenters aufgefallen sind, zum Thema werden. Gehe ganz offen damit um und sprich es an, wenn die Beurteilung Deiner Meinung nach nicht der Realität entspricht. Das solltest Du dann mit guten Argumenten belegen, z. B. mit Zeugnisnoten oder mit Praxiserfahrungen, die Du bereits gemacht hast. In den meisten Fällen verläuft das Abschlussgespräch in einer entspannten Atmosphäre, da der stressige Prüfungsteil bereits absolviert ist. Versuche auch zum Schluss noch einen guten Eindruck zu hinterlassen, auch wenn Du das Gefühl hast, nicht gut abgeschnitten zu haben. Die tatsächliche Entscheidung, ob Du den Ausbildungsplatz bekommst oder nicht, erfährst Du meistens erst später per Brief.

Bereite Dich vor

Informiere Dich noch einmal genau über den Ausbildungsberuf und das Unternehmen. So bist Du auf mögliche Fragen vorbereitet. Als Übung für bevorstehende Tests machst Du am besten unseren Berufsorientierungstest BerufsCheck(me) – auch wenn Du ihn bereits absolviert hast. Ähnliche Aufgaben können Dir auch im Assessmentcenter begegnen. Vielleicht wirst Du auch aufgefordert, aus dem Stegreif einen Vortrag zu einem bestimmten Thema oder über Dich selbst zu halten. Auch das kannst Du trainieren, indem Du z. B. mit Deinen Eltern oder Freunden übst oder das freie Sprechen alleine vor dem Spiegel trainierst. So kannst Du auch gleich Deine Körperhaltung und -sprache kontrollieren und verbessern. Bereite auf jeden Fall einen Kurzvortrag vor, bei dem Du Dich, Deinen (schulischen) Werdegang, Deine Talente und Interessen vorstellst. Mache Dir erst schriftliche Notizen und übe dann den freien Vortrag. Für die einzelnen Tests und Übungen kannst Du nicht wirklich lernen. Wichtig ist, dass Du Dir bewusst machst, dass das komplette Assessmentcenter eine einzige Prüfung ist und Du Dich zu jeder Zeit unter Beobachtung befindest und bewertet wirst – vom ersten Händedruck bis zur Verabschiedung. Es hilft Dir auch, in den Tagen zuvor verstärkt auf Dein eigenes Verhalten in der Gruppe, Deinen Lehrern gegenüber oder in bestimmten Situationen zu achten. Frage Dich, wie Du auf einen außenstehenden Beobachter wirkst. Sprich auch Deine Eltern und Freunde darauf an, ob Du z. B. selbstbewusst auftrittst oder zu laut oder zu leise sprichst. Manchmal sind es nur Kleinigkeiten, die man ändern kann, um eine positive Wirkung zu erzielen.

So verhältst Du Dich am Assessmenttag

Im Assessmentcenter zählt der Gesamteindruck, den Du machst. Dazu gehört natürlich auch, dass Du pünktlich und in ordentlicher Kleidung erscheinst: Gebügeltes Hemd oder Bluse in dezenten Farben und Mustern sowie eine ordentliche Hose oder ein ordentlicher Rock bzw. ein Kleid sind absolut Pflicht. Damit hast Du bereits die ersten Pluspunkte gesammelt. Block und Stifte sowie etwas zu trinken und ein paar Snacks (vor allem bei längeren Auswahlrunden) solltest Du auch in Deiner Tasche mit dabeihaben. 

Weitere Tipps für Deinen erfolgreichen Assessmenttag haben wir hier für Dich:

  • Sei immer aufmerksam und konzentriert, auch in vermeintlichen Leerlaufzeiten.

  • Sei nicht allzu zurückhaltend. Gerade in Gruppendiskussionen oder bei Teamaufgaben wird getestet, ob Du Dich einbringst oder ob Du Dich schnell einschüchtern lässt.

  • Sei aber auch nicht zu dominant und unterbrich Deine Mitbewerber nicht.

  • Vertritt Deine Meinung und lasse Dich nicht (leichtfertig) von anderen beeinflussen.

  • Bleibe Deinem Standpunkt treu, wenn Du davon überzeugt bist, lasse Dich aber auch von anderen Ideen/Lösungen inspirieren, wenn Du glaubst, dass diese besser sind.

  • Benimm Dich immer fair und kooperativ Deinen Mitbewerbern gegenüber.

  • Lästere niemals über andere Kandidaten und behandle alle gleich freundlich.

  • Zeige sowohl Engagement, Ehrgeiz als auch Teamfähigkeit und Hilfsbereitschaft. 

  • Sei souverän, spontan, überzeugend und sympathisch.

  • Unterstreiche Deine Stärken und betone sie, stehe aber auch zu Deinen Schwächen und sprich sie ehrlich an.

  • Verstelle Dich nicht und bleibe auch in stressigen Situationen Du selbst.

  • Bleibe auch in herausfordernden Situationen freundlich und gelassen – auch Deinen Mitbewerbern gegenüber.

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